Sven Väth - "Coming Home"

– Veröffentlichung 27. Juni 2014 –  

Sven Väth wirkt entspannt. Das weltweite House- und Techno-Geschehen bestimmt weiterhin sein Leben, aber er hat sein eigenes Tempo gefunden, damit umzugehen. Er kontrolliert den Beat seines Lebens. Dabei ist er die leidenschaftliche Existenz geblieben, für den Produzieren, Auflegen, Remixen und natürlich auch das Reisen weit mehr sind als nur technologische oder logistische Prozesse. Das Alles lebt für ihn und ist von einer höheren Weihe oder gar einer „Seele“ bestimmt, wie man sie aus historisch älteren Genres wie Jazz oder Blues her kennt. In über drei Jahrzehnten hinter den Decks hat Väth die Essenz der elektronischen Musik zu seinem Lebenswerk gemacht. Dazu gehört selbstredend auch der Umgang mit den Pro und Cons des Nachtlebens.

Eben erst ist er von einem Gig in New York nach Ibiza (zurück)gekommen, um das „Grand Opening“ seines Cocoon Club Anfang Juni im legendären Amnesia gebührend zu zelebrieren. Väth ist weiterhin ein Mann des Vinyls und des stabilen DJ-Koffers. „Das ist eine Frage der Ehre – und natürlich auch ein Statement, aus welcher Generation man kommt“, sagt er und muss unwillkürlich lächeln. Die üblichen DJ-Heldengeschichten sind eigentlich seine Sache nicht, aber das haptische Element einer Schallplatte ist für ihn unverzichtbar. „Ich brauche keine 15.000 Soundfiles, wenn ich irgendwo spiele. Ich bin ja keine Jukebox“, gibt er im unverkennbar hessischen Idiom den (mittel-)alten Haudegen. „Nach dem Ende des Cocoon Club in Frankfurt war für es mich an der Zeit noch mal einen Schnitt zu machen. Eine räumliche und atmosphärische Veränderung, die mehr ist, als nur irgendwohin umzuziehen. Von daher war auch Berlin, wo ich immer wieder gerne spiele oder einfach nur ausgehe, keine Option“, erzählt er. Väth lebt heute wechselweise in London und Thailand. Mit der britischen Hauptstadt, so sagt er, verbindet ihn seit Anfang seiner Karriere eine enge musikalische und persönliche Beziehung. So war es für ihn ein fast schon organischer Schritt, die Zelte in der alten Heimat am Main abzubrechen - und neue an den Gestaden der Themse aufzubauen.

Ein Leben in ständiger Bewegung also, bei dem „man“ aber irgendwann auch einmal nach Hause kommen muss. Abschalten, relaxen, kochen und natürlich Musik hören. Andere Musik als im Club oder im Player bei einer Autofahrt zum nächsten Flughafen. Aus dem „Stoff“ ist das Material für die erfolgreiche Compilation-Serie „Coming Home“ gemacht, die seit 2007 Helden der elektronischen Musik dazu anregt, ihr ganz persönliches „eigene-vier-Wände-Programm“ zu kuratieren - und es Fans und Musikfreunden an die Hand zu geben.

Die Kollegen von Nightmares on Wax, DJ Hell, das Berliner Soundkollektiv Jazzanova, oder auch die Pariser Band Nouvelle Vague haben für „Coming Home“ bereits vorgelegt. Nun ist auch Sven Väth tief in seine Plattensammlung eingetaucht.

Er hat 14 Tracks für „Coming Home“ zusammengestellt. Songs, die er hört, wenn er von den weltweiten Sets in seine Londoner Wohnung zurückkommt. „Ich wollte eigentlich nur meine aktuellen Lieblingssongs präsentieren. Ohne besondere Dramaturgie. Doch dann ist doch ein musikalischer Spannungsbogen herausgekommen“, sagt Väth zu seiner Auswahl.

Der norwegische Jazztrompeter Arve Henriksen übernimmt den Auftakt: „Poverty and it`s opposite“ schwebt wie dampfender Nebel über geschwungenen Reisfeldern. Eine minimalistische, meditative Trompete inmitten des tragenden Klangteppichs aus Jazz, Klassik und Ambient. Ostasiatische Einflüsse, wie der warme, weiche Klang der japanischen Shakuhachi-Flöte prägen hier den Sound des Klangkünstlers. Ein idealer Väth-Soundtrack, während der warme Sommerregen auf das Vordach einer thailändischen Bambushütte prasselt. Horror Inc. wiederum ist ein weiteres Pseudonym des auch als Akufen bekannten kanadischen DJ und Techno-Produzenten Marc Leclair. Väths hat seine „Listening-Lieblinge“ unwillkürlich so aufgebaut, dass sich ein leiser Spannungsbogen. Der fünfte Track „Fantastic Piano“ des schwedischen Ausnahmetalents Axel Bomans etwa klingt wie eine zeitgenössische Komposition von Burt Bacharach. Die New Yorker Schwestern CocoRosie begeben sich mit „Tears for Animals“ auf ein blühendes Feld des Eklektizimus, während Donni Sò mit „La Pagliarella“ (im Remix von Ulrich Schnauss) ursprünglich auf dem von Köln nach Berlin gezogen Kleinlabel Karaoke Kalk erschienen ist. Im Rahmen des Projektes: „Heimatlieder aus Deutschland“

An diesen konkreten Songbeispielen wird deutlich, dass Sven Väth sich einmal an keinerlei Regeln oder Genregrenzen gehalten hat. „Meine Einflüsse waren immer schon vielfältig und unberechenbar. Das dürfte auch auf dieser eher ruhigen Listening-Sammlung deutlich werden“, sagt Väth zum Abschluss. Er muss los. Der nächste Auftritt ruft. A Journey into Sound!
 

Artist:V.A.
Album:Coming Home by Sven Väth
Release Date:  27. Juni 2014
Label: Stereo Deluxe Recordings
Vertrieb:Warner

 

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