Sven Väth – The Sound Of The 15th Season

– Veröffentlichung 21. November 2014 –
 

Fünfzehn Jahre auf Ibiza, fünfzig Jahre lebendig: 2014 feiert Sven Väth gleich zwei große Geburtstage. Seinen eigenen wird er am 25. Oktober in der Mannheimer Maimarkthalle mit mehr als 10.000 seiner Fans begehen. Zu den Gratulanten hinter den Plattenspielern werden Luciano, DJ Koze und Richie Hawtin gehören. Im Anschluss tourt er durch drei Kontinente.

Die Fans von Sven Väth: Einige tanzen schon seit mehr als dreißig Jahren zu seiner Musik. In Frankfurt sind sie ihm aus dem Dorian Gray, ins Omen, ins U60312, in den Cocoon Club bis nach Ibiza gefolgt. Bis heute vertrauen sie auf Väths unermüdliche Neugier, die elektronische Tanzmusik immer wieder neu zu erfinden. Mit den langjährigen Weggefährten ist Väth nicht nur gemeinsam durch die Nacht, sondern auch durchs Leben überhaupt gegangen.

Dann gibt es die Kids aus Ibiza, die Väth in einer der wunderbaren Nächte dieses Sommers im Amnesia oder auf einer der Afterhours vielleicht zum ersten Mal erlebt haben. Väth verzaubert sie mit einem Reichtum an elektronischen Klängen, Stilen und Stimmungen, führt sie ein in den Kosmos der elektronischen Musik. Sie könnten seine Kinder sein. Aus diesem Bewusstsein heraus entsteht eine neue, gelassenere Perspektive, ein Gespür für das, was wirklich wichtig ist. In einem umfassenden Interview für Resident Advisor berichtet Väth dem internationalen Publikum ausführlich von seiner etappenreichen Geschichte. Im Aufsehen erregenden Podcast für dieselbe Seite lässt er uns zum ersten Mal seit Jahren an seinen musikalischen Interessen jenseits der elektronischen Tanzmusik teilhaben. 

Auf „The Sound of the 15th Season” hat Väth das zweiteilige Night- & Day-Konzept früherer Seasons hinter sich gelassen, und mixt zum ersten Mal ein durchgehendes fast dreistündiges Set. Väth setzt mit einem ganz besonderen Track an, mit zarten House-Klängen von Stimming und der charmanten, kokett-naiven Stimme von Piper Davis. Die tollen Pianotöne fesseln die Aufmerksamkeit, die psychedelischen Momente  wecken die Neugierde. Die kurze Eröffnungssequenz beschließt Väth mit einem weiteren Ausnahme-Track: Alex & Digby lassen Kinderstimmen andächtig zu einer Reihe von Heiligen beten, und deren Aufrichtigkeit und Ernst trifft uns tief im Inneren. Väth gibt uns einen Moment, um zu spüren, wo wir stehen. Dann beginnt die Party.  Das nächste Kapitel widmet Väth einen klassischen, wunderbar besonnenen, New-York-lastigen House Sound, der im ibizenkischen Getümmel einen Ruhepol schafft. Leon Vynehall bittet mit behutsamen Chords auf die Tanzfläche, D’Lonely Al fügt eine euphorische Note hinzu. Roman Flügel & Simian Mobile Disco setzen die Sounds wie Farbtupfer auf einer Leinwand und fangen dieses impressionistische, spielerische Moment mit einer starken, emotionalen Bassline ein. Sebastian Mullaert bündelt diese verstreuten Energien in einer wunderbaren, elementaren Nummer, der Karim Sahraoui eine facettenreiche Emotionalität hinzufügt. Elbee Bad sorgt mit seinem ruhelosen Funk für Körperlichkeit und Sex Appeal.

Mit dem faszinierenden „Rezo“ von Marcel Philipp erreicht das Set einen ersten Höhepunkt. Die Hookline ist voller Hoffnung auf die Zukunft gerichtet und doch ganz und gar im Hier und Jetzt. Die Gebrüder Lauer verbinden das spielerische Moment der ersten Tracks mit einem mächtigen, treibenden Groove. Mit David August epischem „Epikur“ gewinnt der Klangraum an Tiefe und Reichtum. Bisher war das Set eine Family Affair, jetzt taucht man in die Crowd ein und wird von ihr mitgerissen.

Mit DJ Kozes Remix von Moderats „Bad Kingdom“ nimmt Väth die Verbindung von Pop und Psychedelik aus den ersten Tracks wieder auf. Koze lässt den hymnischen Popsong virtuos in poetischen, trippigen Sounds zerfließen. Damit sind wir im dritten Kapitel. Was zuvor spielerisch und leicht klang, wirkt bei Reboot rasant und ungezügelt, die Basslines schleudern die Tänzer herum. Mit seinen strahlenden, kristallklaren Sounds fängt Benjamin Damage diese Turbulenzen ein. Dast gelingt die Quadratur des Kreises: sein Synthesizer klingt körperlich und einfühlsam wie ein Strictly-Rhythm-Track, seine explosive Energie kennt man eher von Ausnahme-Techno-Musikern wie Redshape. Mit Sable Sheep wird der Groove komplizierter und dichter. Väth synthetisiert die heterogenen Energien auf dem Dancefloor. Wunderbar geradlinig schiebt sich die Bassline von Gary Beck in den Track und ihre messerscharfe, treibende Kraft fährt einem bis in die Finger- und Zehnspitzen. Väth setzt zum Finale an: „Sandstorm“ von Pig & Dan ist ein Naturereignis. Böen von Sandkörnern formen sich zu einem gewaltigen Klangformation, die erhaben ist und auch ein wenig unheimlich. Jetzt schöpft Väth aus dem Vollen: Jurek Przezdziecki & Jacek Sienkiewicz übertragen diese Komplexität ins Jazzige. Daniel Stefanik kontert mit einer nachtschwarzen Stimmung, deren Eleganz von einem skurrilen Knarzen und Pfeifen gebrochen wird. Wir sind am dramatischen Höhepunkt angelangt, bei bedingungslos fordernder Maschinenmusik. Techno-Innovator Luke Slater überträgt diese extreme Spannung in eine packende Acid Spur und schafft so Klarheit, setzt ein Ziel. MMM aus Berlin reißen das Ruder rum und verbreiten mit Fanfaren eine augenzwinkernde Euphorie. Slam gewähren mit einem zeitlosen Partytrack eine Verschnaufpause. Dann kontern Sawlin & Subjected mit einem futuristischen, vertrackten Industrial-Sound. Der geniale Ausklang kommt von Kölsch: der Däne versöhnt in einem schrägen, witzigen Quietschen und einem tollen Vocal a la James Blake Wahnsinn und Schönheit.

Es ist viel passiert in diesen vierundzwanzig Tracks. Noch einmal übertrifft Väth sich in seinem Gespür für elektronische Klänge. Er schaut einem Track in die Augen und weiß sofort, was in dessen Herzen vor sich geht. 2014 wirft Väth einigen Ballast ab, der sich in der musikalischen Sprache der Clubmusik angesammelt hat. Wie in der fernöstlichen Körperkunst und Philosophie, bei Yoga und Zen, geht oft nur darum die Spannung zu halten. Väth horcht in sich hinein, und wird mit einem Energiestrom konfrontiert, der ihn inspiriert und uns mitreißt. Begeisterungsfähig wie ein Kind war er immer: Jetzt kommt Weisheit dazu.

Artist:V.A.
Album:Sven Väth - The Sound of the 15th Season
(2CD & Download)
Release Date:   21. November 2014
Label: Cocoon Recordings
Vertrieb:Alive

 

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